Mit Yoga aus der Krise

Yoga hilft dir in schweren Zeiten bei dir zu bleiben. Erfahre, was bei einer Krise mit dir passiert, wie Yoga dich unterstützt und warum alles in deinen Gedanken beginnt.


Eine persönliche Krise erkennen


Sehr wahrscheinlich kennt das jeder, wenn das Leben mal nicht in die geplante Richtung läuft. Träume geraten ins Wanken oder rücken sogar vielleicht in unerreichbare Ferne. Ist erst einmal ein Traum geplatzt, folgen nicht selten weitere Tiefschläge und schneller als du dich umschaust, bist du angekommen – nicht am Ziel, sondern in einer Krise.


Häufig sind Krisen von innerer Unruhe, negativen Gedanken in Dauerschleife und Ängsten begleitet.

Das Leben, wie du es kanntest, gibt es vorerst nicht mehr und vieles fühlt sich fremd und unsicher an. Wird eine solche Krise nicht bewältigt, kann es zu ernsthaften Krankheiten wie Depressionen, psychosomatischen Reaktionen oder Angststörungen kommen.


Die zweite Welle der Corona-Pandemie löst bei vielen Menschen momentan solche Krisen aus. Die bisher noch nie da gewesene Situation, die soziale Isolation, finanzielle Sorgen und die Angst vor der Krankheit an sich, lässt viele Erstarren und die Verbindung zu sich selbst verlieren. Die eigenen Bedürfnisse, die so enorm wichtig für das persönliche Glück sind, werden nach hinten geschoben und manchmal sogar komplett vergessen.


Negative Gedanken produzieren Stresshormone. Doch was sind unsere Gedanken eigentlich und können wir diese beeinflussen? Gedanken sind Energie in Bewegung und diese Energie bahnt sich einen Weg. Nimmt diese Energie Formen wie Negativität an, dann kannst du dieses in etwas Positives umwandeln. Sobald wir unseren Fokus umlegen und uns auf das Schöne und Gute in uns selbst und in anderen Menschen konzentrieren, stärken wir die Anziehungskraft dafür. Yoga hilft uns das Positive in uns besser und schneller zu erkennen.


Meine eigene Herausforderung 2020


Beruflich hat mich Corona hart getroffen. Gerade wollte ich im Job und mit meinen Yogaplänen so richtig durchstarten, da heißt es erst mal Lockdown. Vieles darf und kann nicht mehr stattfinden und somit hatten die äußeren Umstände meine Jahresplanung 2020 fest im Griff. Ängste und Sorgen kamen natürlich kostenlos obendrauf und als wäre das nicht schon genug, erlebte ich eine bittere zwischenmenschliche Enttäuschung. Meine Gedanken kreisten ständig um dieselben Themen und nahmen ziemlich viel Raum ein. Ich war gestresst und fühlte mich einige Tage ganz starr. Starr vor Stress!


Bis ich dann entschied, dass es jetzt reicht. Genug getrauert und gelitten.

Ich machte eine Liste und hinterfragte mein Leben, um meinen Fokus wieder auf mich und meine Ziele im Leben zu setzen. Auf der Liste standen Fragen wie, was ist gut oder auch nicht und was möchte ich ändern. Was sind meine Bedürfnisse und Werte? Was kann ich gut und was sind meine Fähigkeiten? Welche Menschen sind gute Begleiter auf meinem Weg?


Selbstverständlich hatte ich auch mit Unsicherheiten zu kämpfen. Doch wenn wir nicht damit starten, die Dinge eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen, wer sollte es dann tun. Also nahm ich mein Schicksal in die Hand und blicke heute dankbar auf ein erfolgreiches Jahr zurück, indem ich gerade mit Yoga viel erschaffen habe.


Wichtig war, dass ich immer mit einer liebenden Güte auf mich geschaut habe und mich nicht unter unnötigen Druck gesetzt habe. Ich bin mit kleinen Schritten gestartet und habe weitere Punkte dazu genommen, sobald es sich richtig angefühlte. Und noch ein persönlicher Tipp an dich, starte mit deinen Dingen und warte nicht auf den perfekten Startpunkt. Wenn du darauf wartest, bis du dich vollkommen bereit fühlst, wirst du wahrscheinlich nie beginnen.

Was macht Stress mit unserem Nervensystem?


Jeder von uns kennt Situationen in denen er gestresst war. Stress ist auch eigentlich nichts Schlimmes. Im Gegenteil, es ist gut, dass wir in der Lage sind, Stress zu empfinden, denn so wird uns eine Gefahr signalisiert. Stress und Angst diente nicht nur damals in Urzeiten als Überlebensmechanismus, sondern auch heutzutage.


An dieser Stelle möchte ich das vegetative Nervensystem ins Spiel bringen. Das vegetative Nervensystem dient der automatisierten Steuerung lebenswichtiger Funktionen (Bsp. Herzschlag, Puls) und wird auch autonomes Nervensystem genannt, da es vom Menschen nicht willentlich beeinflusst werden kann, höchstens eine indirekte Beeinflussung ist möglich. Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Komponenten, welche gleichzeitig aktiv sind und sich im besten Fall in einer ausgewogenen Balance halten. Ein Teil (der sog. Sympathikus) sorgt für Anspannung, der andere Teil (der sog. Parasympathikus) für Entspannung.


Im Fall von einer Stresssituation wird der Sympathikus aktiviert. Puls, Atemfrequenz und Blutdruck erhöhen sich, um das Blut in Herz, Gehirn und Muskeln zu pumpen.

Es erfolgt eine vermehrte Ausschüttung von Hormonen wie Noradrenalin, Adrenalin und Cortisol. Bei dauerhaftem Stress kippt das vegetative Nervensystem in einen Modus der Überaktivierung des Sympathikus, was Folgen für die Gesundheit haben kann.


Häufige Folgen von kurzfristigem Stress sind Symptome wie Kopfschmerzen, Nacken- und Schulterverspannungen, Schlaflosigkeit und Verdauungsprobleme. Hält der Stress dauerhaft an, so kann er richtig krank machen.


Yoga als Weg der Geistesschulung nach Patanjali


Jetzt wird es philosophisch: Patanjali lebte vor 2.000 Jahren und ist einer der großen Yogameister. Im Yoga-Sutra wird von Patanjali der menschliche Geist bis ins Detail analysiert. Es werden viele Fragen behandelt: Wie ist der Geist beschaffen? Wie funktioniert er und wie nehmen wir Einfluss auf ihn? Das faszinierende an diesem Werk ist die Aktualität, die es nach all den Jahren heutzutage noch besitzt.


In Krisen leidet unser Geist und diese negativen Begleiterscheinungen sind unangenehm, teilweise schwer auszuhalten, da wir mit unserem Selbstbild in Kontakt kommen. Auch Patanjali beschreibt im Yoga-Sutra, dass das Leid der Menschen seit jeher um jeden Preis vermieden werden wollte, also der Kontakt mit sich selbst. Um das Leid aufzulösen, steht der Mensch sich selbst am meisten im Weg, da er sich nicht mit seinem Inneren auseinandersetzen möchte. Er ist sich selbst sein größter Feind. Doch wie geht das?


Unsere Gefühle und Gedanken werden wie durch einen Tunnelblick gesteuert. Der Mensch selbst verfärbt sich seine Realität und aus dieser Perspektive scheinen keine Möglichkeiten vorhanden zu sein, um aus der Negativität zu entfliehen. Die Gedanken begeben sich in einem Strudel, der die Negativität wachsen lässt. Die scheinbare Hilflosigkeit und dass ausgeliefert sein, vergrößert das eigene Leid und somit auch den empfundenen Stress, den Kummer, die Angst.


Findet der Leidende keinen Weg, dem ganzen Kummer ein Ende zu setzen, wird als Folge daraus der Körper krank. Unser Körper ist ein Spiegel, der deutlich macht, was in unserem Geist nicht stimmt.


Duhka = (wörtlich) das, was den inneren Raum verengt/ Schmerz / Leid / Druck

Seelisches Leiden bedeutet Enge und ein unbehagliches Gefühl spüren. Dieser von Patanjali beschriebene enge Raum in uns löst das Gefühl von Aussichtslosigkeit aus, da wir uns in die Enge getrieben fühlen, sehen wir nicht mehr mit klarem Verstand, welche Alternativen das Leben für uns bereithält. Patanjali zeigt, dass die Ursache für diese Enge darin liegt, dass der Geist starr geworden ist, sich hinter Meinungen verschanzt. In solch beschriebenen Situationen befindet der Mensch sich in einer typischen Abwärtsspirale. Es werden mehrere negative Faktoren gleichzeitig bestärkt und somit verschlechtert sich die Situation weiter.


Unsere Gedanken sind unsere größte Kraft. Was wunderbar ist, denn du selbst bist auch der Meister über deine Gedanken. Es liegt also allein in deiner Hand, ob du in dem engen, dunklen Raum bleibst, den Patanjali beschreibt oder in einen neuen, hellen Raum eintrittst. Beide Räume sind und bleiben für immer ein Teil von uns. Das Gegenteil von Dukha (dunkler Raum) ist Sukha das Vergnügen. Das Leben wird von diesen beiden Polen bestimmt. Du solltest lernen, gleichmütig inmitten von Duhkha und Sukha zu sein.

Jetzt wirst du aktiv


Yoga heißt nicht unbedingt direkt die wildesten Asanas oder extreme Verrenkungen durchzuführen. Yoga bedeutet mehr und beginnt bereits viel früher.


Yoga beginnt im Kopf und zwar in deinen Gedanken.

Wie bereits erwähnt, entscheidest du, welche Gedanken dich bestimmen und welche nicht. Wenn du gerade in einer negativen Gedankenschleife feststeckst, dann sage dir selbst, so wie der Gedanke gekommen ist, so geht er auch wieder. Jeder Gedanke hat einen Anfang und ein Ende. Beobachte sie wie als wären sie Luftblasen, die sich aufblasen und immer größer werden, bis sie am Ende platzen.


Es ist ein spannender Prozess, hier in die Rolle des eigenen Beobachters zu schlüpfen. Zu schauen, was für Gedanken aufkommen und was sie für Gefühle auslösen. Versuche, bei diesem Prozess wertfrei zu bleiben und identifiziere dich nicht mit deinem negativen Gedanken. Du bist nicht dein Gedanke. Es ist nur ein kleiner Teil von dir in deinem sehr langen Buch des Lebens.


Sollten deine Gedanken dich stark einnehmen, dann kannst du zu jeder Zeit diese Gedanken bewusst stoppen. Sage „Nein jetzt nicht“ zu ihnen. Das klingt lustig, aber funktioniert tatsächlich. Denn erinnere dich, du bist der Herr über deine Gedanken.


Über Pranayama - Atemübungen gelangt es dir, Gedanken ruhig werden zu lassen. Sie verstummen und rücken in den Hintergrund. Während der Übung gibt es nur dich und deinen Körper. Sobald du dich von destruktiven Gedanken verabschiedet hast, entsteht gleichzeitig Raum für Neues. Positive und konstruktive Gedanken haben Platz, sich zu entfalten. Also gehe es an, es lohnt sich.


Bewusste Atmung führt dich zurück zu dir


Eine bewusste Körperatmung schafft, es Gedankenkreise zu durchbrechen. Du kommst komplett zu dir und in deinen Körper zurück. Denn in Krisen verlieren wir den Bezug zu uns selbst und somit auch zu unserer Atmung. Beobachte deinen Atem im Alltag oder in Stresssituationen. Meist atmen wir flacher und nutzen gar nicht unsere komplette Lungenkapazität, was wiederum den Körper nicht vollständig mit Sauerstoff versorgt.


Es wird hilfreich sein, wenn du deine Augen bei den Übungen schließt, so verhinderst du, dass du durch optische Reize abgelenkt wirst und gelangst eher in eine meditative Grundstimmung.


Meditative Atmenübung


Setze dich an einen ruhigen Ort in deiner Wohnung, gerne auf den Boden oder auf einen Stuhl. Schließe deine Augen und nehme erst mal einen tiefen und langen, gleichmäßigen Atemzug, um bei der Übung anzukommen. Dann richte deine Wirbelsäule auf die Krone des Kopfes, strebt zur Zimmerdecke, das Kinn ist leicht zum Brustbein geneigt. Die Schulterblätter fließen nach hinten unten.


Dann nehme einen tiefen Atemzug, atme gleichmäßig lang ein und genauso gleichmäßig wieder aus. Nun beginne deinen Atemzyklus gedanklich zu verfolgen, nimm wahr, wie die Luft durch deine Nase über deinen Hals in deine Lunge strömt und dann verfolge, wie die angewärmte Luft den Weg aus deinem Körper findet. Nimm auch die kurze Atempause zwischen der Ein- und Ausatmung wahr. Wiederhole diese Atemwahrnehmung für weitere fünf bewusste Atemzüge und du wirst wieder einen Zugang zu dir finden.


Für eine verstärkte Wahrnehmung lege deine Hände auf deinen Bauch und nimm die Bewegungen in deiner Bauchdecke wahr. Zur Verstärkung, um dich noch mehr zu spüren, um noch mehr wieder einen Weg zu dir zu finden, lege die Hände auf deinen Bauch und nimm die Bewegungen in deiner Bauchdecke wahr. Spüre wie der Bauch sich bei der Ausatmung ganz deutlich hebt und einzieht bei der Einatmung. Spüre dein Atmen weitere Minuten auf diese Weise. Solltest du merken, dass sich dennoch immer wieder Gedanken vorschieben, dann konzentriere dich auf dein drittes Auge, der Punkt zwischen deinen Augenbrauen und denk dir beim Einatmen „Ein“ und beim Ausatmen „Aus“.


Wirksame Resillienzfaktoren stärken mit Yoga


In diesem Artikel haben wir bereits erfahren, dass es normal ist, dass das Leben wie einer Sinuskurve verläuft, also von Höhen und Tiefen geprägt ist. Resilienz ist die psychische Widerstandskraft, die dabei hilft, Herausforderungen und Krisen nicht als persönliche Beleidigung zu sehen, sondern als Entwicklungschance.


Im Folgenden möchte ich dir wirksame Resilienzfaktoren vorstellen und dir ans Herz legen, diese Punkte stetig zu schulen:

  • Selbstwirksamkeit: Sobald du deine Selbstwirksamkeit verstehst, entwickelst du eine Überzeugung, persönliche Herausforderungen aus eigener Kraft zu überstehen und dich nicht dauerhaft von Schwierigkeiten einnehmen zu lassen.

  • Optimismus: Bleibe in schwierigen Situationen immer der Zuversicht treu, dass es ein Ende dieser Phase gibt und wieder gute Tage auf dich warten. Erinnere dich: Balance zwischen Duhkha und Sukha.

  • Soziales Netzwerk: Die Gemeinschaft gibt uns ein gutes und sicheres Gefühl. Jeder Mensch sehnt sich nach zwischenmenschlichen Beziehungen, wir möchten mit anderen verbunden sein. Verbringe gerade in schwierigen Phasen Zeit mit Menschen, die dir Kraft schenken.

  • Akzeptanz: Nimm den Fluss des Lebens so an, wie er fließt und akzeptiere, dass du Dinge im Außen nicht verändern kannst. Weisheit besteht darin zu wissen, wann wir unseren inneren Widerstand aufgeben sollten.

  • Achtsamkeit: Im Alltag sollten wir uns stets achtsam uns gegenüber aber auch anderen Menschen begegnen. Lausche regelmäßig in dich rein, spüre was du brauchst und was dir guttut. Gerade in schwierigen Lebensphasen äußerst wichtig, um nicht den Bezug zu dir selbst zu verlieren.

  • Dankbarkeit: Eine wertvolle Kraft, Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten zu können, denn meist können wir in jeder negativen Situation noch etwas Positives finden. Aktueller Bezug auf die Coronakrise, hier haben wir die Zeit und Gelegenheit in uns zu gehen und unser bisher so schnelllebiges Leben zu hinterfragen und zu durchleuchten.



Ich hoffe, dass dir mein Artikel gefällt und ich dir einige Sachen näherbringen konnte. Solltest du Fragen zu dem Thema oder allgemein zu Yoga haben, melde dich sehr gerne über das Kontaktformular.

Yoga Mie

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